Budaörs: Wandern & Friedhof der Ungarndeutschen
Alter Friedhof der Ungarndeutschen in Budaörs – ein stiller Erinnerungsort nahe Budapest.
Nur 20 Minuten von Budapest entfernt liegt Budaörs – ein stiller Ort zwischen Weinbergen, Wanderwegen und der bewegenden Geschichte der Ungarndeutschen.
Wo Budapest endet und das Land beginnt
Budapest ist laut, lebendig, voller Bewegung. Straßenbahnen klingeln, Cafés – wie etwa das legendären Café New York sind überfüllt, und in der Donau spiegelt sich die prächtige Stadt. Doch nur wenige Kilometer westlich verändert sich die Atmosphäre. Hinter Einkaufszentren und Schnellstraßen beginnt ein sanft gefaltetes Hügelland – die Ausläufer des Budaer Berglands.
Hier liegt Budaörs, eine Kleinstadt am Rand der ungarischen Hauptstadt. Sie ist ein idealer Ausflugsort von Budapest. Wer hier die Hügel des Budaer Berglands erkundet, entdeckt nicht nur Natur, sondern auch einen der eindrücklichsten Erinnerungsorte Mitteleuropas.
Wandern im Budaer Bergland: Weinberge, Kalkstein und Weitblick
Die Hügel von Budaörs sind geprägt von Kalkstein, Trockenrasen und schmalen Pfaden. Wacholder wächst zwischen den Felsen, und alte Terrassen zeugen davon, dass diese Landschaft über Jahrhunderte landwirtschaftlich genutzt wurde.
So war etwa der Wein- und Obstanbau in Budaörs lange die wirtschaftliche Grundlage des Ortes. Deutsche Siedler machten die Hänge fruchtbar. Über Jahrhunderte prägten sie den Ort.
Heute führen markierte Wege direkt vom Ortsrand in die Hügel. Besonders beliebt ist die Wanderung zum Kő-hegy (Steinberg), einem Aussichtspunkt mit weitem Blick über Budaörs und bis nach Budapest.
Wer hier wandert, bewegt sich durch eine Kulturlandschaft.
Budaörs und die Ungarndeutschen: Ein deutsches Dorf in Ungarn
Seit dem 12. Jahrhundert lebten Deutsche im Gebiet des heutigen Ungarns. Noch 1910 stellten sie fast zehn Prozent der Bevölkerung.
Auch Budaörs war über Generationen ein deutschsprachiges Winzerdorf. Familien bauten Häuser, pflanzten Obstbäume und bewirtschafteten die Hügel – mit Wein.
Bis heute sind ihre Spuren sichtbar:
deutsche Namen auf Grabsteinen
zweisprachige Inschriften
alte Weinkeller entlang der Budapesti út, der historischen Hauptstraße
Geschichte ist hier kein Museum. Sie ist Teil des Ortsbildes.
Der Alte Friedhof von Budaörs: Gedächtnis der Ungarndeutschen
Nur wenige Minuten vom Ortszentrum entfernt liegt einer der eindrücklichsten Orte der Region: der Alte Friedhof von Budaörs. Er wurde 1778 eröffnet und diente über fast zwei Jahrhunderte der deutschsprachigen Gemeinde. Heute werden hier keine Menschen mehr bestattet. Der Friedhof ist ein Park der Pietät. Zwischen Bäumen stehen Kreuze aus Stein und Eisen, viele mit deutschen Namen. Winzer, Mütter, Kinder, Familien. Die Grabsteine sind verwittert, die Inschriften noch gut lesbar. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Ungarndeutschen aus Budaörs vertrieben. Zwischen 1946 und 1948 mussten sie ihre Häuser, ihre Weinberge, ihr Leben zurücklassen. Der Friedhof blieb zurück, als Gedächtnisort. Heute ist er eine offizielle Landesgedenkstätte der Vertreibung der Ungarndeutschen und wird von der Stadt sowie dem Jakob-Bleyer-Heimatmuseum betreut. Wer hier geht, spürt: Geschichte ist kein abstrakter Begriff. Sie ist in Steine graviert und ruht im Boden.
Die Geschichte lebt in Deutschland weiter
Am 19. Januar 1946 erreichte der erste Transport vertriebener Deutscher aus Ungarn Bayern. Weitere Züge folgten in die sowjetische Besatzungszone – am 22. August 1947. In Pirna, in der sogenannten „Grauen Kaserne“, befand sich eine zentrale Erstaufnahmeeinrichtung. Insgesamt kamen dort 33 Eisenbahntransporte mit rund 50.000 Ungarndeutschen an. Von Pirna aus wurden sie über ganz Sachsen verteilt. Nur wenige kehrten jemals nach Ungarn zurück.
Der 19. Januar ist heute offizieller Gedenktag in Ungarn.
Erinnerung bis heute: Gedenken und deutsch-ungarische Begegnung
80 Jahre Geschichte – am 20. Januar 2026 erinnerten der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer und der ungarische Staatspräsident Dr. Tamás Sulyok gemeinsam mit Nachkommen der Vertriebenen in Pirna dieser Ereignisse vor der Gedenktafel vor der „Grauen Kaserne“. Damit wurde sichtbar: Die Geschichte der Ungarndeutschen verbindet Orte wie Budaörs und Sachsen bis in die Gegenwart.
Jetzt sollen auch junge Menschen sollen die Historie der Ungarndeutschen kennenlernen. Deshalb, hat der Pirnaer Verein Aktion Zivilcourage e. V. gemeinsam mit dem Deutsch-Ungarischen Jugendwerk das Jugendprojekt „Spuren der Geschichte – Wege der Zukunft“ ins Leben gerufen. Das Projekt richtet sich sowohl an deutsche als auch an ungarische Schülerinnen und Schüler. Die Jugendlichen werden in Austausch treten – auch während gemeinsamer Aufenthalte in den jeweiligen Ländern.
Das Jakob-Bleyer-Heimatmuseum: Alltag der Ungarndeutschen
Im Jakob-Bleyer-Heimatmuseum wird sichtbar, wie die Ungarndeutschen lebten.
Ausgestellt sind:
Küchen und Werkzeuge
Fotografien und Dokumente
persönliche Gegenstände
Das Museum gehört zu den wichtigsten Orten, um die Geschichte der Ungarndeutschen bei Budapest zu verstehen. Und es hat interessante Wechselausstellungen.
Insider-Tipps: Was man in Budaörs erleben kann
Budaörs bei Budapest eignet sich perfekt für einen Tagesausflug von Budapest.
Besonders lohnend:
Spaziergang durch den historischen Ortskern entlang der Budapesti út – ehemalige Dorfhauptstraße
Besuch des Jakob-Bleyer-Heimatmuseums
Alter Friedhof der Ungarndeutschen unweit des historischen Ortskerns, Temető utca. Der Friedhof ist frei zugänglich.
Wanderwege im Budaer Bergland wie etwa zum Kő-hegy (Steinberg) oder zu Aussichtsfelsen Odvas-hegy (Höhlenberg) und Huszonnégyökrös-heg (Berg der vierundzwanzig Ochsen).
Meine Empfehlung: Kurze Wanderroute vom Friedhof in die Hügel
Start: Alter Friedhof, Temető utca
Dauer: 2 bis 3 Stunden
Der Weg führt vom Friedhof durch den historischen Ortskern und weiter bergauf in Richtung Kő-hegy. Schon nach wenigen Minuten endet die Bebauung, und schmale Pfade führen durch Trockenrasen und Kalksteinfelsen.
Oben öffnet sich ein weiter Blick über Budaörs bis nach Budapest.
Der Rückweg führt durch alte Weingärten zurück in den Ort.
Diese Route verbindet alles, was Budaörs ausmacht: Natur, Geschichte und Stille.
Katrin Fiedler, geschrieben und fotografiert am 20. Januar 2026.