Vesuv-Wein aus Kampanien
Vesuv-Wein in Trecase: Ein Glas Lacryma Christi del Vesuvio mit Blick auf den Vesuv.
Zwischen Lavaerde und Meerwind entstehen an den Hängen des Vesuvs charaktervolle Vulkanweine. Oberhalb von Trecase besuchen wir die Azienda Agricola Vitivinicola di Maurizio Russo.
Von Ercolano aus führt eine schmale Straße hinauf in die Landschaft des Vesuvs. Hinter den letzten Häusern der Stadt wird es ruhiger. Pinien stehen am Straßenrand, Lavagestein schimmert dunkel zwischen den Feldern, und mit jeder Kurve öffnet sich der Blick weiter über den Golf von Neapel.
Weinberge am Vesuv – Terroir aus Lava und Zeit
Hier, an den Ausläufern des Vesuvs, wächst ein Wein, dessen Herkunft man förmlich schmecken kann. Die Reben stehen in schwarzer Vulkanerde, durchzogen von Asche, Lava und Mineralien – ein Boden, der seit Jahrhunderten die Weine Kampaniens prägt. Viele der Weine aus dieser Region tragen die Herkunftsbezeichnung Lacryma Christi del Vesuvio (DOC), einen der bekanntesten Weine Kampaniens. Übrigens: Der Wein wird seit dem Mittelalter so bezeichnet. Übersetzt heißt das: „Tränen Christi”.
Schon in der Antike waren diese Hänge für ihren Wein berühmt. So schrieb etwa der römische Dichter Martial,Bacchus habe diese Hügel mehr geliebt als seine eigene Heimat in Nysa – ein Hinweis darauf, wie geschätzt der Wein des Vesuvs bereits im römischen Reich war.
„Diese Hügel liebte Bacchus mehr als seine Heimat in Nysa.”
Martial
Was einen Vesuv-Wein so besonders macht, verstehen wir genau hier, als wir zwischen Meer und Vulkan, ganz entspannt einkehren – in der Cantina del Vesuvio, in Trecase.
Das Weingut der Familie Russo
An den Hängen des Vesuvs liegen 16 Hektar Weinberge, tief verwurzelt im mineralreichen Vulkanboden. Dieses Vesuv-Terroir, geformt von Feuer und Asche, wird seit mehr als 2.000 Jahren bewirtschaftet. Die poröse Erde speichert Wärme und Mineralien – und gibt sie an die Reben weiter.
Seit 1930 bewirtschaftet die Familie Russo diese Weinberge. Heute führt Maurizio Russo das Weingut weiter, mit Respekt vor der Natur und einem klaren Ziel: den Charakter des Vesuvs im Wein spürbar zu machen. Die Weine besitzen eine besondere Tiefe, eine feine mineralische Struktur und eine besondere Note, die an Meer und Stein erinnert.
Weinprobe mit Vesuv-Blick – ein Erlebnis in Kampanien
Zum weitläufigen Grundstück gehört ein Weinkeller, in dem ausgesuchte Flaschen kühl und vor der Sonne geschützt lagern, bis der Wein seine Reife erreicht hat.
Nebenan empfängt das Haus seine Einkehrer mit herzlicher Gastfreundschaft. In der Küche werden frische Gerichte zubereitet, und zu jedem Gang wandert ein anderes Glas über den Tisch. Rosé, Weiß, Rot – der Gast hat die Wahl, der Sommelier berät.
Die Weine reifen vor allem aber in Stahltanks und teilweise in Holz, verborgen im gepflegten Keller unter dem Restaurant. Neugierige können hier besichtigen, was draußen zwischen den Rebzeilen beginnt und im Inneren sorgfältig fortgeführt wird: Winzerarbeit.
Von der Traube bis zur Flasche: Eine Führung, auch für Weinkenner, ist ein Erlebnis. Und wenn das Meer in der Ferne schimmert, die Sonne langsam sinkt, erhebt sich der Vesuv besonders markant hinter dem Weingut. Der Wind trägt den Duft von Erde, Salz und reifen Trauben und der traditionsreiche Wein spiegelt sich im Glas.
Am Ende unserer Weinprobe werden die Gläser kleiner. Ein sechs Monate gereifter Apricot-Likör wird angeboten. Danach folgt ein Grappa, drei Monate im Eichenfass gereift – weich, warm und mit einem Hauch von Holz. Auch diese Produkte gehören zum Angebot der Familie Russo.
Von der Dachterrasse reicht unser Blick bis zum Golf von Neapel. Unten in der Rosmarinhecke surren die Bienen – auch sie wissen, was hier schmeckt.
Katrin Fiedler, geschrieben und fotografiert am 10. Februar 2016.