Unterwegs in der ältesten U-Bahn Zentralasiens
Metrostation Mustaqillik Maydoni in Taschkent – Marmor, Bögen und Licht in stiller Eleganz.
Unterwegs in der ältesten U-Bahn Zentralasiens
Zwischen Regierungs- und Museumsviertel liegt die Metro-Station Mustaquillik Maydoni. Trüb ist der Blick durch die Glastüren. Innen weist ein trister Raum kaum darauf hin, dass es zur Taschkents Untergrundbahn geht. Stimmen hallen, so groß ist der Raum. Die Frau hinterm Schalter wirkt hier sehr klein. Geduldig lächelt sie, als wir uns erst einmal orientieren. Ein Uniformierter beobachtet das Treiben und wartet darauf, dass wir durch den Sicherheitsscan gehen. Denn wie auch auf dem Bahnhof der Nachtzüge ist hier die Kontrolle äußerst penibel. Sie erinnert an den Check auf internationalen Flughäfen.
Einmal das Ticket an der „Kassa“ gekauft, kann die Fahrt beginnen und so lange dauern, wie sie dauert. Konkret: Mit einem Fahrschein kommt der Fahrgast mit mehreren Umstiegen an sein Ziel, ohne noch einmal zu bezahlen. Vorausgesetzt, er verlässt den Untergrund nicht.
Die rote und blaue Metro-Linie – Architekturgeschichte unter Taschkent
An welcher Station auch immer wir mit der Treppe in die Tiefe rollen, sind wir überwältigt. Diese Farben, diese Motive ... Man muss es einfach selbst gesehen haben. Taschkent macht die Metro-Fahrt zum Luxus fürs Auge. Die Stationen sind thematisch gestaltet, Sportlern, Künstlern, Helden, Dichtern und Arbeitern gewidmet. Sie bestechen immer wieder durch Form und kunstvoll zusammengesetzte Mosaike. Was für ein Aufwand – nur für eine kurze unterirdische Reise durch Usbekistans Hauptstadt Taschkent. Ein wunderschöner, ein sehr kulturvoller Aufwand, der Land und Leute auf beste Art präsentiert. Diese Visitenkarte kann sich weltweit sehen lassen!
Wie ein Spinnennetz breiten sich die Linien unter Usbekistans Hauptstadt aus. Ein kleines Spinnennetz. Denn noch bestimmen überirdisch die Busse den Takt, und auch der Autoverkehr nimmt zu.
Die rote (Cholinzor) ist die älteste Linie, in Betrieb genommen 1977 Linie in Taschkent. Sie gilt als das Rückgrat des Metronetzes und wurde anlässlich des 60. Jahrestages der Oktoberrevolution eingeweiht und besticht nicht nur mit der Metro-Station Mustaquillik Maydoni. Sie ist insgesamt eine Versuchung zur Zeitreise. Wir aber steigen in die Blaue, die Oʻzbekiston, die unmittelbar nach der Chilonzor-Linie errichtet wurde. Sie ist mit ihrer sowjetisch-usbekischen Architektur nicht minder bestechend. Und so tauchen wir quasi in ein unterirdisches Museum ein, denn in Zeiten der Sowjetunion hat man sich ganz offensichtlich viel Zeit für die Metro-Architektur genommen.
Weißer Marmor, beeindruckende Leuchter, Ornamente – wir werden fast schon feierlich unter Tage empfangen. Auch der Umstieg wenig später, in die rote Linie in der Station Paxtakor (Baumwollpflücker), versetzt uns ins Staunen. Hellblau und türkis leuchten die kunstvoll zusammengesetzten Mosaike. Auf den weiteren Stopps geraten wir mit Blick durch die Fenster kontinuierlich in Verzückung, während die Einheimischen nach einem Arbeitstag auf der Heimfahrt eher müde wirken. Immer wieder sehen wir farbenprächtige Ornamente. Sie geben uns schon mal einen Vorgeschmack auf die so landestypischen Dekore, die uns immer wieder auf unserer Reise durch Usbekistan begegnen werden.
Kaleidoskop von Eindrücken unter der Stadt Taschkent – eingefangen während der Metro-Fahrten:
Fahrscheine für die Metro
Tickets gibt es in den Stationen – an einem Schalter oder an den örtlichen Automaten
Eine Orientierung über das Metro-Netz bietet die App Toshkent Metro, aber auf jeder Station ist auch eine große Karte als Übersicht zu finden.
Eine Fahrkarte kann auch elektronisch in unter atto.uz gekauft werden. Hier ist die Navigation in Englisch. Einfach kaufen, herunterladen und in der Station an das elektronische Kontrollgerät halten. Kommt ein Häkchen oder leuchtet grünes Licht, ist der Weg frei.
Pro Fahrt (bei Barzahlung) kostet es 3.000 Som. Vorsicht mit den Nullen. Sie sind variabel, beeindrucken und lenken vom niedrigen Preis – in unserem Fall 22 Cent – ab! 1.700 Som zahlt, wer das Ticket elektronisch kauft.
Das Usbekistan-Tagebuch
Teil 1: Reise durch Usbekistan … weiterlesen
Teil 2: Perspektiven: ein Tag in Taschkent … weiterlesen
Teil 3: Unterwegs in der ältesten U-Bahn Zentralasiens
Teil 4: Xiva – Eine Stadt wie aus 1001 Nacht … weiterlesen
Katrin Fiedler, geschrieben und fotografiert am 5. September 2024.