Xiva – Eine Stadt wie aus 1001 Nacht
Streifzug durch die Gassen von Xiva und schwups ist man Teil einer Familie.
Auf unserer nächsten Etappe in Usbekistan erleben wir zwischen Minaretten, Musik und Seidenstraße Geschichte hautnah.
Die Wüstenstadt Xiva (Khiva) befindet sich in der Region Chorasmien (Khorezm/Xorazm), im Westen Usbekistans und nahe der Grenze zu Turkmenistan.
In einem Museum übernachten, das ist schon mal ganz aufregend. Aber wenn das Museum gleich eine ganze Stadt ist, und zwar eine wie aus 1001 Nacht, dann ist kein Halten mehr. Wir sind entzückt – jeden Morgen, jeden Mittag und vor allem abends, wenn die gestressten Tagestouristen die Stadt Xiva verlassen. Dann suchen wir uns ein hübsches Restaurant aus. Mit einem Tisch auf der Dachterrasse. Der sollte bestenfalls vorher reserviert werden. Die wunderbaren Aussichtsplätze sind heiß begehrt.
Die Luft ist lau, der Nachthimmel von bestechender Schönheit. Kein Wunder, die Luftverschmutzung ist in dieser Region sehr gering. Hier funkeln die Sterne besonders leuchtend um die Wette. Kitsch as Kitsch can: Ein Musiker steigert die Romantik. Er bläst Louis Armstrongs Titel „What a Wonderful World“.
Wir sind in Xiva, einer so historisch wie architektonischen Stadt, dass es einem die Sprache verschlagen kann. Bekannt ist, dass diese Stadt schon im 8. Jahrhundert an der Seidenstraße eine zentrale Rolle spielte. Hier handelten die Einheimischen kräftig mit Partnern aus Russland, China und Persien. Es wird vermutet, dass der Name in dieser Zeit entstand. Arabische und persische Dokumente weisen Xiva als Khīwa oder Khīveh aus. Interessant auch für uns, denn die verschiedensten Schreibweisen dieses Namens verwirren.
Ein wenig verwirrt sind wir auch noch von der Architektur. Was für eine märchenhafte Altstadt – Ithan‑Kala genannt, UNESCO Weltkulturerbe. Wen wundert’s? Hinter der massiven Stadtmauer mit ihren vier Haupteingängen verbirgt sich eine mittelalterliche, islamische Stadtstruktur – planvoll und symmetrisch. Das können wir bestens von unserer Dachterrasse aus überblicken.
Während die Trompete die letzten Takte des Jazz’ herausbläst, beginnt von einem Minarett herab der Muezzin mit einer Predigt. Seine Botschaft singt er mit warmer Stimme. Es ist die Stimme des Orients.
Die Altstadt Itchan-Kala – UNESCO-Weltkulturerbe in Usbekistan
Hier, auf einer Etappe der Seidenstraße, einer Oase inmitten einer Wüstenregion, haben wir direkt in der Altstadt unser Zimmer bezogen. Wir genießen den üppig gestalteten Garten, die hölzernen Liegen, die dicken Teppiche und den Tee, den uns unser Gastgeber reicht. Doch dann geht es hinaus ins Gassengewirr. Hier treffen altehrwürdige Gebäude mit Händlern zusammen, wohnen ganz normale Menschen im touristischen Getümmel und dienen moderne Bronzefiguren als Blickfang.
Während die Tagestouristen im Eiltempo an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Scharen vorbeiziehen, bleiben wir immer wieder stehen und staunen. Bis uns ein Teppichhändler in sein Geschäft zieht. Die kunstvoll geknüpften Werke bewundern wir anständig. Viel interessanter wird es jedoch, als er einen Vorhang lupft und auf eine verfallene Treppe zeigt. Gegen ein Handgeld geht es hinauf aufs Dach. Vor uns liegt die Ichan-Kala, einstiges Drehkreuz für Handwerker und Handelswege. Madrasa, Moschee, Minarett, Palast – sie alle stehen entlang von Achsen, die von Tor zu Tor führen. Denn eines der architektonischen Prinzipien hier ist, dass sich die wichtigsten Gebäude gegenüber stehen. Sie spiegeln sich faktisch, bilden eine Balance, die für das Prinzip der Ordnung stehen. Das wirkt äußerst harmonisch.
Das Usbekistan-Tagebuch
Teil 1: Reise durch Usbekistan … weiterlesen
Teil 2: Perspektiven: ein Tag in Taschkent … weiterlesen
Teil 3: Unterwegs in der ältesten U-Bahn Zentralasiens … weiterlesen
Teil 4: Xiva – Eine Stadt wie aus 1001 Nacht
Katrin Fiedler, geschrieben am 6. September 2024. Fotos erstellt von Katrin Fiedler und Annett Stoy.